Vom Nichtwissen der Gebildeten – ein Drama der Gegenwart

Corona-Perspektiven, Teil 1

Der Wert des Nichtwissens

Ein Freund von Sokrates ließ die Wahrsagerin Pythia befragen, was denn dieser Sokrates für einer sei. „Niemand ist weiser als Sokrates“ lautete deren Antwort. Sokrates konnte sich das nicht vorstellen, denn er wusste ja, obwohl er gut denken und reden konnte, dass er von vielem nur ein ungefähres Wissen hatte, und und von noch viel mehr gar nichts wusste.

Als Skeptiker, was soviel bedeutet wie „Prüfender“, unternahm er eine empirische Untersuchung. Er befragte Politiker und sah bald, dass diese den Leuten gerne nach dem Mund redeten, aber selbst auch nicht viel wussten. Er befragte Künstler und sah, dass diese wie die Pythia aus dem Träumerisch-Unbewussten heraus handelten. Von wirklichem Wissen konnte auch da nicht die Rede sein. Und er befragte Handwerker. Diese „können eine Sache gut und meinen deshalb überall Bescheid zu wissen“. Ein zeitloser Befund, wobei wir heute praktisch alle Experten zu den Handwerkern zählen müssen: Sie verstehen zum Beispiel etwas von Virologie und meinen deshalb politische Empfehlungen geben zu können.

Das Fazit des Sokrates: Die anderen wissen auch nichts, aber sie wissen es nicht. Und jetzt verstehen wir den Satz von Pythia, niemand ist weiser als Sokrates. Niemand ist weiser als der Mensch, der um seine Begrenztheit weiss. Weise sind Menschen,  die unterscheiden können zwischen dem, was sie wirklich wissen, und dem, was sie irgendwo gehört und gelesen haben. Wieviel unseres Wissens ist wirkliches Wissen? Und wieviel ist nur Vorliebe, Gewohnheit und Gerücht? Und wie gut können wir bei uns selbst zwischen diesen beiden Welten unterscheiden?

Die Welt des Hören-Sagens hat sich über die zweieinhalb Jahrtausende seit Sokrates übermächtig aufgebauscht. Wenn wir genau hinschauen, macht sie den allergrößten Teil dessen aus, was wir Wissen und Bildung nennen. Aber unser wirkliches Wissen ist immer noch klein.

Gebildete und Versager

Das Drama von uns Gebildeten ist, dass wir es viel schwerer haben, uns unser Nichtwissen einzugestehen als jemand, der nicht viel gehört und gelesen hat. Als Entwicklungsbegleiter in Organisationen weiss ich um dieses Problem. Wie schwer ist es für einen Geschäftsführer sich einzugestehen, dass er ratlos ist oder sich geirrt haben könnte? Da muss einiges Vertrauen da sein und der Handlungsdruck muss groß sein. Im Innersten aber sehnt sich auch der oder die Mächtigste danach, einfach nur sich selbst sein zu können, mit aller Fehlbarkeit, manchmal mit großen Sorgen, Zweifeln und Fragen, aber sich selbst, ehrlich, fehlbar und liebenswert!

Der Druck, der durch hohe Ämter, hohe Gehälter und illustre Bildungsabschlüsse erzeugt wird, ist enorm. Es ist jedoch ein babylonischer Turm, an dem wir da bauen. Ein ehrliches Gespräch tut dann gut und hilft auch weiter. Solche Gespräche finden manchmal in der Beratung statt, sie sollten jedoch im eigenen Arbeitsumfeld stattfinden, um Fehlentscheidungen und Unterlassungen zu vermeiden. Wir können heute sehr gut sehen, dass solche Gespräche nach dem Vorbild der sokratischen Dialoge in den Regierungen und Parlamenten kaum stattfinden, mit fatalen Folgen!

Ähnlich geht es  letztlich auch den Experten und Arbeitern, deren Arbeit auch kritisch hinterfragt werden muss. Auch sie knicken heute oft mit ihrem Selbstwert ein, wenn ihre Arbeit nicht perfekt war. So geht es auch den Schülern, die ihr Prüfungen bestehen müssen, im Wettbewerb um die schnellsten und besten Ausbildungen. Oder den Müttern, deren Karriere durch die Kinder gestört wird, und die sich plötzlich fühlen müssen wie Versagerinnen und sich selbst verlorene Jahre vorwerfen. In diese Versager-Rolle hineingedrängt werden auch die „bildungsfernen“ Schichten, z.B. türkischen Kindern in der Schule, die keine Akademikereltern daheim haben, die ihnen bei den Hausaufgaben helfen und die Nachhilfe bezahlen.

Das Funktionieren-Müssen, das Leisten und die Perfektion hat unsere Gesellschaft in den Würgegriff genommen, und wir blicken arrogant auf jene herab, die sich diesem Diktat nicht zu beugen wissen. Das Gymnasium und die Fachhochschulen, ja selbst die Universitäten haben die Rolle übernommen, junge Menschen fit, das heisst „passend“ zu machen für eine Gesellschaft, in der die Ausbildung eines zertifizierten Schein-Ichs als Tugend gilt.

Schein-Iche können nicht lernen

Paradox ist allerdings, dass jedes Lernen, jede Organisations­entwicklung und letztlich jedes wirkliche Wissen davon abhängt, sich nicht von diesem Teufel der Anmaßung und des Erfolgs reiten zu lassen. Deshalb ist dieser Teufel das erste, dem wir in einem ehrlichen Lernprozess begegnen, dem „Schatten“ (C.G.Jung) oder dem „Hüter der Schwelle“ (Joseph Campbell, Die Heldenreise). Der mächtige Geschäftsführer sagt dann zu sich: Ich habe falsche Entscheidungen getroffen, weil ich mich nicht dem Zweifel gestellt habe. Ich hatte nicht den Mut, andere um Rat zu fragen. Ich war rechthaberisch und ging in Konkurrenz mit meinen Kritikern. Ich habe nicht auf meine leise innere Stimme gehört, weil ich doch selbstbewusst auftreten musste. Ich habe durch mein Handeln oder Nicht-Handeln Schwierigkeiten und Leid für andere Menschen bewirkt.

Dieses angemaßte Schein-Ich, diese soziale Inszenierung oder Maske tritt manchmal mit Hässlichkeit vor mich hin, wenn ich mich einem echten Lernen stelle. Wo viel inszenierte Maske ist, ist immer auch viel verdrängter Schatten (Erich Neumann, Tiefenpsychologie und neue Ethik). Aber damit beginnt auch die Des-Identifikation und Befreiung des echten Selbst aus diesem inszenierten Theater der Großartigkeiten.

Corona-Helden

Meiner Meinung nach spielt sich ein solches Drama der Gebildeten und der Mächtigen jetzt – in der Corona Krise – auf breiter Bühne ab. Wieviel Rechthaberei und Arroganz war da im Spiel? Wieviel simpel gestrickte ideologische Hoffnung auf eine materialistische, allmächtige Wissenschaft wurde da breit vorgetragen? Wieviel vorgegaukelte Evidenz, von Sokrates` Handwerkern, die wenig Ahnung von Wissenschaftsphilosophie und Fehlbarkeit hatten? Wieviel Fehlentscheidungen wurden durchgedrückt? Wie viele Kritiker wurden überhört und diskreditiert? Welches Leid und welcher Schaden wurde dadurch bewirkt? Welche fatalen Unterlassungen müssen wir uns rückblickend eingestehen? Wie viele versprochene Erfolge sind nie eingetreten und mussten durch immer neue PR mühsam kaschiert werden? Wieviel Vertrauen gegenüber dem Staat wurde dadurch verspielt? Wie stark hat das Ansehen von Medien und Wissenschaft in der Gesellschaft gelitten?

Bescheidenheit, Fehlbarkeit und Umdenken durch Lernen sind als Tugenden der Klugen und Mächtigen fast aus unserer Gesellschaft verschwunden. Das ist das wahre Drama. Wir sind umstellt von fehlerfreien Musterschülern, die sich und uns ihr Nichtwissen nicht eingestehen können, und uns lieber mit immensem PR-Aufwand ein illusionäres Heldenstück vorgaukeln, das immer fadenscheiniger wird und letztlich nicht zu halten ist.

Das ist die zeitgemäße Form des Schattenspiels aus Platons Höhle, die Matrix, die Maya-Welt, die wir für unsere Wirklichkeit halten. Und dafür wurde eine Bewusstseinsindustrie aufgebaut, die uns angeblich unterhalten, bilden und informieren soll, doch eigentlich verstrickt sie uns mehr in eine große Illusion, die ständig und von allen Seiten wiederholt wird.

Infarkt des menschlichen Geistes?

Es ist wohl weniger ein individuelles Versagen, das hier anzuklagen wäre. Es ist das unglückliche Zusammenspiel von Herr und Knecht, würde Hegel sagen. Auf der einen Seite die schwachen, kleinen, ängstlichen Persönlichkeiten, die wir nun einmal sind. Auf der anderen Seite die Überhöhung der Führer, der Experten, Politikern und Meinungsbildnern, die sich durch die übermäßige Erwartung in eine anmaßende und wirklichkeitsfremde Herrschaftsposition verführen ließen, der sie niemals gewachsen sein konnten. Beide gefangen in einer Gesellschaft der angemaßten Großartigkeit und Allmächtigkeit unserer Zivilisation: Pandemie besiegen, Virus ausrotten, Fallzahlen runterbringen, Wirtschaft rauf und runterfahren, der große Retter der Menschheit sein, alle für den Wohlstandsverlust entschädigen, Krankheit und Tod besiegen… alles anmaßende, ja fast größenwahnsinnige Ziele, die unserem ehrlichen, fehlbaren Selbst nie einfallen würden.

Wie ist so ein geistiger Infarkt in unserer Gesellschaft möglich? Letztlich stehen die Institutionen des Geistes zur Diskussion: Bildung, Wissenschaft und Kultur haben versagt. Sie konnten der Gesellschaft nicht zu einer Entwicklung verhelfen, die auf den freien und verantwortlichen Menschen baut. Es ist uns nicht gelungen, das Ideal einer offenen Gesellschaft auf Basis einer pluralen, freien Meinungsäußerung hinreichend zu verwirklichen. Den Idealen der alten Griechen, der Humanisten, des deutschen Idealismus, der Aufklärung und der modernen Psychologie von Freud, Jung, Fromm, Frankl, Maslow usw. sind wir nicht viel näher gekommen. Im Versagen des geistigen Lebens ist die tiefere Ursache für dieses Drama zu suchen. Und hier liegen auch Entwicklungsmöglichkeiten, die über Symptombekämpfung hinausgehen. Einige Vorschläge dazu in Teil 2, demnächst.

Weiter in Corona-Perspektiven, Teil 2 – Die Befreiung des menschlichen Geistes in Staat und Organisation

Literaturempfehlungen:

Platon, Die Apologie des Sokrates. Kurze, lehrreiche Geschichte.

Zur Dynamik von Schein-Ich und Schatten: Erich Neumann, Tiefenpsychologie und neue Ethik. 1949

Zur Dynamik von Herr und Knecht (Sadismus und Masochismus) bei Verfehlen des Entwicklungszieles eines freien und verantwortlichen Ichs: Erich Fromm, Die Furcht vor der Freiheit. 1941

Zur angemaßten Pseudowissenschaftlichkeit versus einer sorgfältigen kritischen Methode: Karl Popper, z.B. Alles Leben ist Probleme lösen. Ausgewählte Aufsätze über Erkenntnis, Geschichte und Politik aus mehreren Jahrzehnten. 1996 (für Geübte: Vermutungen und Widerlegungen. 2001)

Zur offenen Gesellschaft, Beschränkung von wirtschaftlicher und staatlicher Übermacht gegenüber dem freien Denken: Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. 1958

Zur Methodik der Organisationsberatung: Edgar Schein, Humble Consulting – Die Kunst des vorurteilslosen Beratens. 2017

Über Mut und Aufklärung, und warum uns Argumente nicht überzeugen

Um aufgrund von Argumenten umzudenken, braucht es einen starken und aufrechten Charakter. Das redliche Denken in der Wissenschaft wäre ein Beispiel dafür, also eine These auf Basis von logischer und/oder empirischer Kritik loszulassen, obwohl ich vorher daran geglaubt habe. Dafür ist die redliche und selbstlose Wahrheitssuche Voraussetzung. Allerdings wurde der Wahrheitsbegriff durch den Relativismus, dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit habe etc., sehr verwässert. Die wissenschaftliche Wahrheitssuche durch Argumente ist dann nicht mehr möglich, an deren Stelle ist die „Reputation“ von Autoritäten getreten.

Karl Popper hat versucht klarzulegen, dass wir immer redlich nach der Wahrheit suchen müssen, und dass wir nie ganz sicher sein dürfen, sie gefunden zu haben. Dafür braucht es aber eben diesen aufrechten und starken Charakter, der eine Position zugunsten einer plausibleren aufgibt. Offenbar werden wir durch ein Universitätsstudium allein zu dieser redlichen Wahrheitssuche noch nicht befähigt.

Eine bedenkenswerte Erklärung dafür, warum wir durch Argumente meist nicht umdenken können, liefert die Psychoanalyse. Wer als Kind in seinen Bedürfnissen nicht respektiert wurde, lernt sich an die Wünsche der Bezugspersonen anzupassen, anstatt eine eigene Haltung einzunehmen und eine individuelle Identität auszubilden. Es ist zu vermuten, dass auch heute noch 2/3 aller Probanden des Milgram Experiments den Stromknopf drücken würden, wenn eine Autorität es verlangt, obwohl der Proband schon vor Schmerz schreit. Einige erschütternde Thesen des Psychoanalytikers Arno Gruen verdeutlichen diese Dynamik:

„Wir, die wir uns für so individualistisch halten, verwechseln die Konstruktion einer persona mit der eigenständigen Entwicklung eines Selbst. …Korrektes Verhalten erzeugt den Anschein von Verantwortung, ist aber von der Übernahme von Verantwortung weit entfernt. …Es ist die Nicht-Anerkennung der empathischen Wahrnehmungen des Kindes und seiner Bedürfnisse während der ersten Monate seines Lebens, die dazu führen, dass es keine eigene Identität entwickeln kann. …Solch eine fremdbestimmte Identität, die aus Introjekten besteht, fühlt sich bedroht, wenn sie in Frage gestellt wird…

Tatsache ist jedoch, dass alltägliche Verleumdungen normaler Bestandteil unserer Kultur sind. Der Wahrheit ins Auge zu blicken, fällt uns schwer. Wir sind gefangen in der Angst, zu sehen, was wirklich ist….Wir stufen diejenigen Menschen als normal ein, die sich der allgemeinen Verleugnung anpassen und so in unserer Kultur erfolgreich operieren. …Wer ergründen will, warum Menschen gegen ihre eigenen Interessen kämpfen, warum sie ihre eigene Versklavung befördern, muss sich zuerst dem eigenen Gehorsam stellen. Wenn aber das eigene Selbst zur Bedrohung geworden ist, gelingt diese Konfrontation nicht. Die lauernde Angst mutiert zu einem Streben nach Sicherheit. Und genau diese Sicherheit verspricht der Gehorsam.“ (Arno Gruen, „Wider den Gehorsam“ 2014)

Ein verlässliches Indiz dafür, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die auf Basis von Argumenten nicht umdenken können, ist deren sich Berufen auf Autoritäten. Für solche Menschen zählt allein, ob eine Aussage von einer geachteten Person oder Instanz geäußert wurde, oder von einer mit zweifelhaftem Ruf („fake news“). Was diese Menschen nicht bemerken ist, dass sie sich vielleicht zu wenig ihres eigenen Verstandes bedienen, und dass ihr Bild von geachteten und zweifelhaften Personen und Instanzen zunehmend die Folge von gezielt inszenierten Narrativen („Philanthrop“) ist.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ (Immanuel Kant, „Was ist Aufklärung“)

Was tut ein solcher Mensch, der durch Argumente unter Druck kommt? Er sucht bei anderen Argumenten Zuflucht, die ihn doch bestätigen. Und er verdrängt diejenigen, die ihn ins Wanken bringen. Es geht darum, das innere Wanken zu verhindern, deshalb lassen wir uns durch Argumente so selten überzeugen. Es fehlt nicht an Verstand, aber an Mut und an innerer Stärke.

Woher kommt dieser Mut? Aus einem Selbstwert, der nicht immer Applaus von allen Seiten braucht, und deshalb auch nicht so schnell erpressbar ist durch Nicht-Zustimmung und Liebesentzug. Es braucht einen Charakter, der in sich selbst ruht, der seine Nächsten liebt, wie sich selbst. Das verbreitete Narzissmus-Bashing schüttet in dieser Hinsicht das Kind mit dem Bad aus. Ohne ein gewisses Maß an Selbstwert und Mut gibt es keine Kreativität, keine Originalität, kein Unternehmertum und kein zufriedenes Leben.

Meine persönliche Strategie zur Stärkung meines Mutes ist die spirituelle Erfahrung. Nach vielen Jahren der Übung gelingt es mir, meditativ in einen hellen und warmen Zustand zu finden, und diesen auch zu halten, wenn ich Konkretes und auch Besorgniserregendes in meinen Bewusstseinsraum hereinnehme. Unabhängig von Kindheitstraumata meine ich dadurch meinen innerer Mut verstärken zu können.

Ich kenne aber auch Agnostiker, die diesen Mut haben, einfach weil sie ihren Prinzipien treu sind und ihr Fähnchen nicht gleich in den Wind hängen, wenn es unangenehm für sie wird. Ich habe höchste Achtung vor solchen Menschen. Welche Strategien es noch gibt, um den inneren Mut und Selbstwert zu stärken, ist eine der wichtigsten Fragen, die wir uns stellen sollten.

Die aktuelle Corona-Lockdown-Krise zeigt uns deutlich, dass wir als Gesellschaft nicht so aufgeklärt sind, wie wir meinen. Verstand ist mehr da, denn je. Aber Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, und zu eigenen, vielleicht von der Mehrheit abweichenden Schlüssen und Haltungen zu kommen, dieser Mut ist nicht halb so verbreitet wie der Verstand.

Die Aufklärung mag den Glauben an die Kirche und die Monarchie erschüttert haben. Der Glaube ist aber nicht verschwunden, sondern heftet sich heute an eine neue Kirche, an neue Autoritäten, nämlich an die Medien, die Experten und die Politiker. Für eine Demokratie ein gefährlicher Zustand. Es gilt zu hoffen, dass Erziehung und Bildung endlich so reformiert werden, dass wir aus diesem endlosen Schicksalsrad herausfinden.

Innsbruck, am 30. Juli 2020